Königlicher Besuch
In dieser Fastenzeit werden Sie in unseren Kirchen und an einigen Orten kirchlichen Lebens kleine handgeschnitzte Könige entdecken. „Königsmacher“ ist Diakon Ralf Knoblauch, der die Könige seit etlichen Jahren in der Freizeit, meist vor Tagesanbruch, in seiner Werkstatt aus rohen, alten Eichenbalken gestaltet. Diakon Knoblauch ist im Bonner Norden als Seelsorger im Einsatz und hat viel mit Menschen in gebrochenen Lebenssituationen zu tun. Menschen, die glauben, alles verloren zu haben. Was er aber mit seinen Königen und Königinnen sagen will: Die eigene, persönliche Königswürde kann niemand verlieren. Diese christliche Botschaft ist ihm sehr wichtig und steht im Mittelpunkt seiner seelsorgerischen und künstlerischen Arbeit.
So passen diese schönen Könige und Königinnen der Würde wunderbar zum diesjährigen Motto der MISEREOR-Fastenaktion „Auf die Würde. Fertig. Los“, und zum Thema Würde überhaupt, das wir für diese PASTORALE-Ausgabe übernommen haben.
Diakon Knoblauch sagt selbst über seine Figuren, die man übrigens nicht nur mit Distanz betrachten, sondern durchaus auch berühren darf: „Sie sind keine perfekten Könige, sie haben Ecken und Kanten, Fehler wie du und ich, das macht sie halt zutiefst menschlich. Und dadurch, dass sie alle diesen lächelnden, schmunzelnden Gesichtsausdruck haben, findet gleich nochmal eine ganz andere Berührung statt.“
So wie jeder der Könige uns sein Lächeln schenkt, sind die Augen stets geschlossen, sie wollen ganz bei sich sein, machen sich damit aber auch verletzlich, wie wir als Betrachter eben auch oft sind. Sie wollen niemanden regieren, Macht spielt bei ihnen keine Rolle. Die Könige und Königinnen wollen uns sagen: Wir sind alle Königskinder, ja, auch DU bist eines. Eine große Würde geht von jedem dieser Könige aus und wird bei den Empfängern und Betrachtern deutlich spürbar. Die Könige sollen motivieren, Zuversicht geben und helfen, die eigene königliche Würde neu wahrzunehmen.
Wie viel Würde geht in dieser Welt gerade verloren? Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Populismus, Autokratien, Fake-News und die Existenzängste vieler Menschen spalten die Gesellschaft, nicht nur bei uns. Wie kommen wir da zu einer Balance, die eigene Mitte gut für uns zu finden, uns zu positionieren, zu stärken − uns aber dennoch nicht dauernd mit uns selbst zu beschäftigen? All diese Gedanken wollen die Könige aufgreifen und den Betrachter zum Nachdenken bewegen.
Inzwischen sind die Würdenträger auf allen fünf Kontinenten verteilt, so findet sich auch auf einem Rettungsboot für Flüchtende im Mittelmeer ein kleiner König. Ralf Knoblauch sendet seine Könige dorthin, wo Würde und Zuversicht dringend benötigt werden, zu Menschen oder Einrichtungen, wo die Lebenswirklichkeit von Krankheit, Armut oder persönlichen Sorgen geprägt ist. Jeder Mensch ist gleich viel wert und in seiner Würde unantastbar, so wehren sich die Könige auch besonders gegen Rassismus und Ausgrenzung.
Wir wünschen uns, dass die Königinnen und Könige, die in unserer Pfarrei unterwegs sind, zum Nachdenken anregen, Menschen ins Gespräch über ihre Würde kommen lassen und vor allem Freude bringen. Wenn sich das Lächeln der Figuren auf uns überträgt, ist schon ein erster Schritt getan.
Birgit Biedermann
Telefonisch baten wir Diakon Ralf Knoblauch um ein paar kurze persönliche Worte an uns:
In der kommenden Fastenzeit bekommen Sie in Ihrer Kirchengemeinde St. Josef königlichen Besuch. Meine König*innen tragen das Thema der WÜRDE in die Welt und dieses werden sie auch bei Ihnen in den unterschiedlichsten Kontexten tun.
Ich wünsche Ihnen, dass die Skulpturen Ihnen Freude machen und Sie etwas von dem Glanz spüren, den sie in sich tragen.
Herzliche Grüße, Ralf Knoblauch